Rezensionen von Elisabeth Simon-Pätzold
Jujja Wieslander/ Sven Nordqvist
Mama Muh braucht ein Pflaster
2006 Oetinger
ISBN-10: 3-7891-7319-3
Empfohlen ab 4
Mama Muh braucht ein Pflaster
2006 Oetinger
ISBN-10: 3-7891-7319-3
Empfohlen ab 4
Sie tut nie, was Kühe tun. Die Krähe sagt es: "Du sollst doch auf der Weide grasen und wie eine Kuh glotzen!" Mama Muh "glotzt" nicht, Mama Muh schaut uns höchst beredt an: herausfordernd, lustig, nachdenklich, traurig, zufrieden. Mama Muh ist anders! Sie sprengt ihre Grenzen, will etwas erleben, will Spaß haben und will das Unmögliche.
Dass ihre Wünsche ganz nahe an denen der Kinder sind, die sie beobachtet und bewundert, lässt sie den kindlichen Betrachtern sehr nahe kommen. Indem sie sich so abmüht, Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um auch mal Schlitten zu fahren, ein Baumhaus zu bauen, schaukeln zu können, lässt sie diese alltäglichen Kinderspiele zu etwas sehr Wertvollem werden. Aus der Perspektive von Mama Muh ist Kindsein das wahre Leben.
Mama Muh hat einen Freund. Die Krähe ist das Gegenteil von Mama Muh. Sie ist so beweglich wie man nur sein kann. Sie ist zwar auch neugierig und unternehmungslustig, aber auch großspurig, ziemlich unzuverlässig und eitel. Doch zusammen sind sie unschlagbar und sie landen oft genug gemeinsam im Schlamassel.
So verkörpert Mama Muh die Neugier und Entdeckerfreude des Kindes und hat kindliches Vergnügen an allen Erfahrungen, die Krähe aber sucht eher auch den eigenen Vorteil, bringt etwas Hinterlistiges mit in alle Unternehmungen und verkörpert so die "ungezogene" Seite des Kindseins. Dies ist eine tragfähige Rollenverteilung, die nickelige Dialoge und spannungsreiche Abenteuer verspricht. Das Kind kann seine Sympathien aufteilen und fühlt sich in zwei Rollen verstanden.
In "Mama Muh braucht ein Pflaster" verletzt sich Mama Muh beim Versuch über den Stacheldrahtzaun zu springen. Sie reißt sich den Bauch auf und muss mit einem riesigen Pflaster versorgt werden. Im Stall schmerzt aber immer mehr die Beule, die sie sich am Kopf zugezogen hat. Die Krähe kommt mal vorbei und erfährt vom Missgeschick. Die Wunde am Bauch ist versorgt, aber die Beule noch nicht. Von den Kindern weiß Mama Muh, dass eine kühle Eiskompresse gut wäre. Sie bittet die Krähe, ihr Eis aus der Tiefkühltruhe zu stibitzen. Die Krähe kommt ohne Eis zurück, aber mit Bauchschmerzen.
Mama Muh bedrängt sie, noch einmal nachzuschauen, ob sie nicht irgendwas findet, was für die Beule gut wäre. Schließlich bringt ihr die Krähe eine Packung tiefgefrorenen Spinat mit. Auch gut! Die Krähe verschwindet schleunigst. Nun ja, es endet wieder einmal mit einem Schlamassel, den die beiden rasch vertuschen müssen, bevor der Bauer kommt
Es ist das besondere Verdienst von Sven Nordqvist, dass diese Bücher so voller Humor stecken. Es sind die komischen Szenen der Mama Muh, aber auch ihre unglaublich ausdrucksreiche Mimik. Oft haben die Illustrationen viel mit Comiczeichnungen zu tun oder grenzen an Karikaturen, so stark sind sie übertrieben. Kinder empfinden mit der Kuh oder der Krähe, deren Seelenleben stets in ihr Gesicht geschrieben ist. Von diesen beiden Figuren und ihrer Kommunikation leben die Bilder nahezu ausschließlich.
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